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Schaffhauser Kunstkästen – «Das Flicklabor / The Mending Laboratory» #SHKULTURMAGAZIN

Schaffhauser Kunstkästen – «Das Flicklabor / The Mending Laboratory»
Ausstellungen
Mending as a Manner, 2023

Sonntag, 12.03.2023 - Sonntag, 04.06.2023

Kunstkasten am Bahnhof
Bahnhofstrasse
8200 Schaffhausen

Karte

Ausstellung

Das Schaffhauser Kunstprojekt «Das Feministische Kapital» präsentiert in der kommenden Kunstkästen-Ausstellung «Das Flicklabor / The Manding Laboratory», ein experimentelles und unerwartetes Projekt von der in Schaffhausen lebenden Künstlerin Ying Xu.

Das Flicklabor - Kunst als Experiment
Die Collettiva-Kuratorinnen zeigen unter dem Titel "The Mending Laboratory / Das Flicklabor" eine Reihe von Arbeiten, die zum Projekt "Mending as a Manner" der in Schaffhausen aktiven Künstlerin Ying Xu gehören. Die Künstlerin, die ursprünglich aus der chinesischen Malerei und der Zeichnung kommt, zeigt für das Projekt "Das Feministische Kapital" in den Kunstkästen ein mutiges und unerwartetes Werk, das mit unserer Beziehung zur Natur, aber auch mit einer persönlichen Lebensphilosophie zu tun hat.

Flicken als Praxis der Sorgfalt oder der Willkür?
Ying Xu begann in ihrem Atelier in Feuerthalen fast spielerisch damit, eine neue Technik zu entwickeln: Ausgehend vom japanischen Konzept des Flickens suchte sie nach der Möglichkeit, durch eine Nähtechnik die Schönheit von Blumen oder die Schalen von Früchten länger zu konservieren. Ganz so, als ob es möglich wäre, sie der Zeit zu entziehen oder ihnen eine neue Bedeutung zu geben.
Sie entschied sich für die Verwendung eines roten Fadens, der das Leben symbolisiert, wie das Blut in den Adern. Er ist aber ebenso ein Symbol für das Weibliche und die Geburt. Das Ergebnis dieses Prozesses sind Objekte, die durch den Eingriff des Flickens und den Lauf der Zeit wieder ganz werden oder in ihrer ursprünglichen Form, aber auf ungewöhnliche Weise, fortbestehen.
Die Künstlerin sagt: "Der Grundgedanke dieser Werkserie ist die Umwandlung und Materialisierung der Beziehung zwischen Leben und Zeit. In der östlichen Philosophie glauben wir: Da alles auf der Erde letztlich zur Erde zurückkehrt, ist alles nur eine Frage der Zeit."  

Die Werkstatt der Interpretationen
Für die Künstlerin selbst diente diese Technik ursprünglich der Instandhaltung und Pflege der Objekte. Sie interessierte sich für die Verwandlung der organischen Materialien. Bei den Betrachtenden aber lösten die geflickten Objekte gemischte Gefühle aus: Eine weisse Rose, die mit einem roten Faden geflickt wurde, kann als Akt der Bewahrung der Schönheit, aber auch als ein gewaltsamer Eingriff in die Reinheit dieser Blume wahrgenommen werden. Dieser Eingriff symbolisiert also nicht nur eine bestimmte Haltung des Widerwillens gegen altersbedingte Veränderungen des Körpers, sondern auch den Verlust der Unschuld. Zusammengenähte Fruchtschalen mögen manchen als lustig erscheinen und an die Verspieltheit eines Balls erinnern, aber sie evozieren auch grosse Kämpfe gegen die Beschneidung von Frauen und Folter, den Klimawandel und das Recycling. Die Künstlerin verzichtet freiwillig auf eine offizielle Lesart ihrer Praxis, um den Diskurs anzuregen und wie bei einem Experiment mit grosser Bescheidenheit und Geduld nicht nur an das Ergebnis, sondern an den gesamten Prozess der Bedeutungsgebung zu glauben. "In diesem Sinne möchte ich, dass meine Werke als Erinnerung dienen, die Emotionen und das Mitgefühl wecken, die in unseren Herzen verborgen sind. Oder vielleicht wirken sie wie ein Spiegel, der verschiedene Blickwinkel auf das Wesen der Dinge reflektiert. Sehen ist eine Art der Wahrnehmung, und wie man beobachtet, ist eine Aufgabe, die ich den Betrachtenden am liebsten übergeben möchte", erklärt Ying Xu.  

Die Kunstkästen als Labor
In den Kunstkästen wird es möglich sein, während der Dauer der Ausstellung die Veränderungen zu beobachten, die einige dieser geflickten Naturgegenstände durchlaufen oder bereits erfahren haben. Es handelt sich um ein wahres Labor, in dem die Betrachter:innen nicht nur ästhetische Verwandlungen, sondern auch Veränderungen in ihrer Interpretation sehen. Begleitet von alltäglichen Gegenständen wie Gläsern, Vasen und Rahmen öffnen sich die Werke von Ying Xu zu unbekannten Territorien und zeigen ungewöhnliche, aber trotzdem heimelige Szenarien. Nur in einem Bild sind die Hände der Künstlerin mit weissen Handschuhen zu sehen. Vielleicht symbolisieren diese Respekt und Zartheit, vielleicht aber auch den Wunsch, zu verschwinden.

Infos
Eröffnung:Rundgang mit der Künstlerin Samstag, 11. März 2023, um 16 Uhr mit Treffpunkt beim ersten Kunstkasten
(Ticketeria Bahnhof Schaffhausen).
Ab dem 12. März bis zum 4. Juni 2023 sind die Werke in den Kunstkästen Schaffhausen zu sehen.  

Standorte
K1 Bahnhof Schaffhausen, Ticketeria
K2 Vordergasse 73, Schaffhauserland Tourismus
K3 Ecke Vordergasse/Goldsteinstrasse
K4 Freier Platz, beim Restaurant Güterhof
K5 Rheinquai, Anlegeplatz 4
K6 Rheinquai, beim Salzstadel
K7 Vebikus Kunsthalle Schaffhausen, Fassade Terrasse
K8 Rhybadi
K9 + K10 Rheiuferstrasse, vis-à-vis Kulturzentrum Kammgarn

Mehr Infos:
www.collettiva.ch
xuying.ch/mending
www.vebikus-kunsthalle-schaffhausen.ch/kunst/kunstkaesten/

Das Kulturmagazin wird unterstützt von:
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