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Schaffhauser Kunstkästen – «Das Feministische Kapital»

Schaffhauser Kunstkästen – «Das Feministische Kapital»
Ausstellungen
Swanrider 3 © Parastou Forouhar

Sonntag, 13.12.2020 - Samstag, 06.03.2021

Kunstkasten am Bahnhof (Ticketeria)
Bahnhofstrasse
8200 Schaffhausen

Karte

Parastou Forouhar bespielt die vierte Kunstkasten-Ausstellung mit «Boxenstopp» (13.12.20 – 6.3.21)

Ornamente verstecken geschickt die Gewalt

Die iranische Künstlerin Parastou Forouhar zeigt ihr Werk in den Schaffhauser Kunstkästen im Rahmen von „Das Feministische Kapital“. Forouhar ist eine scharfe Kritikerin ihres Landes. Ihre Arbeit besteht aus traditionell islamischen Symbolen und spielt mit einem ständigen Kontrast zwischen Schönheit und Gewalt, zeigen und verstecken. Forouhar kennt Schaffhausen durch einen Aufenthalt im Chretzeturm in Stein am Rhein. Auch jetzt taucht die Figur im Tschador aus den Arbeiten von damals wieder auf.

Die Corona-Pandemie beraubt Parastou Forouhar eines subversiven Rituals: Am 21. November jährt sich der Tag der Ermordung ihrer Eltern durch das iranische Regime zum 22. Mal. Sieben Jahre, nachdem Forouhar selbst nach Deutschland gezogen war, wo sie bis heute lebt. Seither kehrt sie jedes Jahr zurück in den Iran und organisiert eine Gedenkfeier. 2020 zum allerersten Mal nicht. Wie sehr das Forouhar belastet, gezwungen zu sein, dieses Ritual zu unterbrechen, merkt man ihr an. „Die Pandemie nimmt dir, was du dir mit viel Energie aufgebaut hast.“ Für sie ist die Reise eine Möglichkeit, mit dem Unrecht umzugehen. Ein Schritt raus aus dem Ausgeliefertsein gegenüber dem Regime.

Ein Kontrast zwischen Schönheit und Gewalt
Forouhar ist eine scharfe Kritikerin des Irans. Ihre Kunst ist ein Aufbegehren, indem sie thematisiert, was totgeschwiegen wird. Ihre Arbeiten – Fotografien, Drucke, Zeichnungen – erzählen von Gewalt und Unterdrückung, von Folter. Aber auch von Schönheit. Forouhars Kunst zeichnet sich durch diese Ambivalenz aus. Ständig oszilliert sie zwischen wunderschönen, Oberflächen und versteckten gewaltvollen Motiven; zwischen Zeigen und Verstecken. So auch in den Schaffhauser Kunstkästen. In einem Kasten platziert sie einen fliessenden Stoff; er ist opulent aufgeworfen. Erst beim genaueren Hinschauen erkennt man, dass es sich bei dem purpurnen Muster um feine, kalte Messer handelt. Ein subversiver Kontrast.

Muster, Ornamente, spielen in Forouhars Arbeit eine wichtige Rolle. „Muster haben die Aufgabe, etwas zu verstecken“. In der Repetition verschwindet das eigentliche Motiv. Man glaubt schnell, zu wissen, was da ist – aber da ist so viel mehr. Auch in einem weiteren Kasten: Auf diesem Bild reihen sich Augenmotive aneinander. Darin verborgen stehen einzelne gesichtslose Figuren, die sich scheinbar verstecken möchten vor der konstanten Überwachung.

Das Weibliche nimmt den öffentlichen Raum ein
Die Ornamente in den Kunstkästen zu zeigen, ist für Forouhar unkonventionell. Denn im öffentlichen Raum seien wir uns zwar Bilder gewöhnt, nicht aber Muster. Die sind stärker Teil unserer Innenräume, wie eine Tapete beispielsweise. Somit trägt Forouhar das Private an die Öffentlichkeit. Dieser Innenraum, das Heimelige wird gemeinhin mit Weiblichkeit assoziiert. Und diese Weiblichkeit nimmt sich jetzt den öffentlichen Raum, sie pflanzt sich ins Bewusstsein der Passant*innen, ohne zu fragen, ob sie das darf.

Das Leben in der Schweiz – eine Illusion?
Auch in den Kästen am Rhein spielt Forouhar mit diesem Kontrast. Die Fotografien zeigen eine in einen Tschador gehüllten Figur, die auf einem grossen Plastikschwan im Wasser sitzt. Diese Figur ist in Schaffhausen keine Unbekannte. Forouhar war nämlich bereits ein Mal in Schaffhausen: 2017 residierte sie im Chretzeturm in Stein am Rhein. In den damals entstandenen Arbeiten erscheint die schwarze Figur. Diese Serie drückt die ambivalenten Gefühle Forouhars gegenüber der Zeit in der Schweiz aus: Es kam ihr vor wie eine Illusion. Die ganze Schönheit, die Friedlichkeit. Und die Beständigkeit im Leben der Menschen: „Sie sitzen am selben Tisch, wo schon ihr Urgrossvater ein Stück Käse gegessen hat. Das war für mich ein Gegensatz zu meiner eigenen Geschichte, die von Krieg und Vertreibung geprägt ist. Ich beneidete das, fand es wunderschön, aber es blieb mir immer unverständlich.“

Infos
Zur Ausstellung:
Hiermit laden wir Sie zur Eröffnung am 12. Dezember 2020 herzlich ein. Der Treffpunkt ist um 17 Uhr beim ersten Kunstkasten am Bahnhof Schaffhausen. Die Kuratorinnen werden anwesend sein. Der Rundgang wird die aktuellen Massnahmen zum Schutz gegen Coronavirus einhalten: Womöglich Abstand halten, Kontakte der Anwesenden aufnehmen.

Die Werke sind dann vom 13. Dezember 2020 bis dem 6. März 2021 in den Kunstkästen zu sehen.

Mehr Infos:
www.collettiva.ch
www.parastou-forouhar.de
www.vebikus-kunsthalle-schaffhausen.ch/700_kultur.php

Bei Fragen: Silvia Savoldi, Collettiva Kuratorinnen, das.feministische.kapital@gmail.com, 076 604 90 60

Standorte der Kunstkästen:

K1 Bahnhofstrasse Schaffhausen / Ticketeria
K2 Vordergasse 73
K3 Ecke Vordergasse-Goldsteinstrasse
K4 Freier Platz 10 / Zwischen Güterhof und Bretterhof
K5 Rheinquai 16 / Anlegeplatz 4
K6 Ende Rheinquai, beim Bootshaus

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