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Schaffhauser Kunstkästen – «Das Feministische Kapital»

Schaffhauser Kunstkästen – «Das Feministische Kapital»
Ausstellungen

Sonntag, 23.08.2020 - Sonntag, 15.11.2020

Kunstkasten am Bahnhof (Ticketeria)
Bahnhofstrasse
8200 Schaffhausen

Karte

«Psychotropic Unsettlings» der Künstlerin und Choreografin Stefanie Knobel. 

Spuren von Hysterischen in Schaffhausen

Die Zürcher Performerin Stefanie Knobel bespielt ab dem 22. August den nächsten Kunstkasten-
Zyklus von „Das feministische Kapital“. Texte und Bilder dokumentieren eine Performance, in
welcher die Künstlerin zusammen mit Tänzer*innen die Hysterie-Heilung von Frauen hinterfragt.
Knobel schafft mit lokalen Schaffhauser Symbolen – dem Rhein oder dem Bock etwa – eine
Verbindung zur Hysterie und zu Hexenverfolgungen.

Eigentlich findet Stefanie Knobel die Kunstkästen eine konservative Ausstellungsform. Ihre
Arbeiten lassen sich nicht per se einrahmen. Gleichzeitig bieten sie ihr die Gelegenheit, sich mit
ganz unterschiedlichen Kontexten auseinanderzusetzen und translokale Bezüge zu schaffen. Und
so zeigt sie im nächsten Zyklus eine komplexe Arbeit, die einen neuen Blick auf Schaffhausen
ermöglicht. Zum Beispiel auf das Wappentier, den Bock.

Unangepasste Frauen „heilen“

Die Zürcherin arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Installation, Video und Text und
weilte für eine Künstlerinnenresidenz in Paris. Dabei setzte sie sich mit der klinischen Hysterie
auseinander. Ende 19. Jahrhundert glaubte man, rebellische Frauen litten an Hysterie. Eifrige
Wissenschaftler sahen es als ihre gesellschaftliche Verpflichtung an, diese Frauen zu „heilen“.
Knobel entdeckt in Paris ein Gemälde einer Vorlesung, bei welcher Nervenärzte vor einem Haufen
männlicher Studenten eine Frau zu einem hysterischen Anfall bringen wollten. Dieses Gemälde
irritiert Knobel sosehr, dass sie davor mit Tänzer*innen die performative Intervention
L’OPOPONAX inszeniert. Knobel sieht beim Glauben an die weibliche Hysterie Parallelen zu
früheren Hexenverfolgungen. Auch damals wurden unangepasste Frauen „geheilt“. Die
Performance nimmt mit Besenstielen diese Metapher auf; mit Atemtechniken wird eine
Verbindung zur Hysterie geschaffen. In ihren Recherchen stösst Knobel auf die Geschichte von
Hexen, die von einem schwarzen Bock – dem Teufel – geholt werden. Als sie viel später in
Schaffhausen den schwarzen Bock über dem zweiten Kunstkasten erblickt, der auf einer
Teufelsfratze thront, ist die Idee für die Kunstkästen geboren.

Machtverhältnisse umkehren

In „Psychotropic Unsettlings“ zeigt die Künstlerin eine Fotodokumentation von der Performance in
Paris. Diese ergänzt sie bei den Kunstkästen am Rhein mit textlichen Arbeiten, mit welchen sie
die Assoziationen der Betrachter*innen stärker steuert als mit den Fotos. Etwa indem sie die
Aufmerksamkeit auf das Rauschen des Wassers lenkt, das an ein hysterisches Atmen erinnern
mag.

Knobel sucht in ihrer Arbeit immer nach dieser Intervention, diesem Stolpern, das sie bei den
Betrachter*innen auslöst, wenn sich ihnen eine Erkenntnis eröffnet. In L’OPOPONAX sind es die
Tänzer*innen, die einen neuen Blick auf die Hysterie-Behandlungen ermöglichen, indem sie mit
ihrem Körpereinsatz das Gruslige an dieser historischen Darstellung relativieren. In Bezug auf
diese Machtumkehrung passt Knobels Arbeit sehr gut zu „Das feministische Kapital“ und es
passt, wenn sie sagt:
„Das beste und dringendste Vorhaben ist es noch immer, die Welt endlich umzudrehen!“

Mehr Infos:
http://www.collettiva.ch
http://sk-ein.ch/

Bei Fragen: Eleonora Stassi, Collettiva Kuratorinnen, das.feministische.kapital@gmail.com, 076 6493931

Standorte der Kunstkästen:

K1 Bahnhofstrasse Schaffhausen / Ticketeria
K2 Vordergasse 73
K3 Ecke Vordergasse-Goldsteinstrasse
K4 Freier Platz 10 / Zwischen Güterhof und Bretterhof
K5 Rheinquai 16 / Anlegeplatz 4
K6 Ende Rheinquai, beim Bootshaus

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