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Hans Bach – «Skulpturen und Holzschnitte»

Hans Bach – «Skulpturen und Holzschnitte»
Ausstellungen

Sonntag, 10.03.2019 - Sonntag, 21.04.2019

Mo: geschlossen
Di: geschlossen
Mi: geschlossen
Do: geschlossen
Fr: geschlossen
Sa: 16 bis 18 Uhr
So: 16 bis 18 Uhr

Kunstraum Reinart
Laufengasse 17
8212 Neuhausen am Rheinfall

Internet: www.galeriereinart.ch
Karte

Ausstellung

Hans Bach zeigt in einer umfassenden Einzelausstellung im Kunstraum reinart Holzskulpturen und Holzschnitte.
In einer Holzscheune im Kanton Thurgau warten 999 Holzfiguren für diese Retrospektive ausgewählt zu werden.

Der in Stein am Rhein lebende Künstler freut sich, einem breiten Publikum direkt am Rheinfall zu Neuhausen, einen Überblick in sein Lebenswerk zu geben. Es erwartet Sie eine Fülle an Schönheit und Klarheit gearbeitet in Holz.

Ein wichtiges und immer wiederkehrendes Motiv bei Bach ist die Frau. Trotz dargestellter Nacktheit wirken seine Figuren nicht verletzlich.

www.hansbach.ch 


Ich bin kein Bildhauer - ich bildhauere

Es gibt einige Bücher über Hans Bachs Schaffen: stark im Ausdruck und bemerkenswert unaufdringlich. Sie haben in der Regel wenig, ja, kaum Text. Durchaus mit einer Sensibilität für das Wort ausgestattet, scheut Hans Bach viele Worte.
Die wenigen Texte in den Monografien sind zu alldem oftmals eigene Texte, aphoristisch oder poetisch gefasste Gedanken:

Holz ist das dritte Geschlecht,
nicht weiblich,
nicht männlich,
hölzern -
(April 2012)

Suchen wir nicht sogleich nach den weiblichen und den männlichen Anteilen im Hölzernen? Gibt es eine Stamm-Verwandtschaft? Am Anfang des Wortes «Geschlecht» stand das althochdeutsche Verb für «schlagen»: sich in eine bestimmte Richtung entwickeln, nacharten. Es gibt einen (Baum-)Stamm, ein Formenpotenzial, ein inneres Bild des Künstlers. Und schon verkompliziert sich die Sache weiter, die an sich schon voller Ambivalenzen, Ab- und Unabhängigkeiten, Wirkungen und Rückwirkungen steckt.

Hans Bach sagt: «Ich bin kein Bildhauer, ich <bildhauere>.» Kann man ihn vielleicht als Bilder-Hauer bezeichnen, als Figuren-Bildner?

Die Dreidimensionalität der Arbeiten spielt ihr «üppiges» Volumen aus, dennoch ist allem voran die frontale Ansicht entscheidend, der Austausch im Anblick des Gegenübers. Stets geht dabei Präsenz mit einer Distanzierung einher. Hans Bach realisiert Holzfiguren, keine Menschen. Existenzielle Begebenheiten und Prinzipien des Daseins werden gleichsam im Zuge einer Gestaltwerdung gefasst und in eine emotionale, sinnlich-geistig erfahrbare Sichtbarkeit geführt.

Übergang als Metapher und als sich manifestierendes Ereignis wurden für mich im Versuch einer Annäherung an Hans Bachs Werk immer wichtiger. Trans- als Präfix, als eine dem Wortstamm vorangestellte Worterweiterung, trägt in sich eine strukturelle Anlage und ein formendes Potenzial. Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit, notierte der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein in seinem berühmten Tractatus. Ich wage die Formulierung: «Hans Bachs Figuren sind Bilder der Wirklichkeit.»

Die Figuren sind mit den Werkzeugen eines Bildhauers aus dem Holz geschält, dennoch ist es reizvoll, eher von Plastik zu sprechen und diesen Begriff als Brücke zum Wort «plastisch» einzusetzen. Denn mit plastisch muss nicht nur bildhauerisch, körperhaft und modellierfähig gemeint sein, sondern es kann ebenfalls an die mitschwingenden Bedeutungen anschaulich, bildhaft und metaphorisch gedacht werden.

«Die Hauptseite ist bei meinen Figuren in der Regel die Front», betont Hans Bach. Die frontale Ansicht unterstreicht und steigert den Eindruck des Bildhaften. Die Figuren sind Abbilder, die gleichsam im Zuge einer Wortspielerei ab Bild räumliche Präsenz einfordern. Es geht um das Kauern, wenn eine Frau kauert, weniger um eine Frau, die kauert. Es geht um den Tanz, wenn eine Frau eine tänzerische Bewegung ausführt, nicht um eine Frau, die tanzt. Solch feine Nuancen sind wichtig für das tiefere Verständnis des so eigenwillig temperierten Schaffens. Zentral ist auch die Absage an eine vermeintlich zugängliche Vertrautheit. Hans Bachs Figuren sind in einem subtilen Balanceakt in der Distanz gehalten.

Gleichzeitig gibt es diese ungemein direkte Gegenwart des Gemachten. Berührt werden wollen diese Figuren allerdings nicht, nicht nur wegen ihrer splittrigen, rauen Oberflächen. Nähe und Distanziertheit begegnen sich - in einer spannungsvollen Ambivalenz. Hans Bachs Figuren sind aus Erlebtem und alltäglichen Beobachtungen hervorgegangen - verwandelt hervorgegangen. Gefasst der Augenblick, noch immer lebendig der augenblickliche Zeitraum, wie getränkt in einer Vielfalt offener Verläufe. In einem Spannungsfeld von Statik und Bewegung befinden sich die Figuren.
Wechselwirkung, Übergang und Umwandlung, verbunden mit einem Bilderaustausch zwischen aussen und innen, innen und innen, aussen und aussen, artikulieren sich als Körpersprache. Erotische Energie wird in künstlerische Energie verwandelt und lebendig gehalten. Hans Bach hatte für eine seiner Publikationen ausgewählte Lexikoneinträge zu ihm wichtigen Begriffen als Text gewählt. Erotik kommt gleich zweimal vor:

Erotik. der Gesamtbereich der sinnlich-geistigen Liebe (des Eros), insbesondere ihre spielerisch kultivierten Formen ohne den Geschlechtsakt selbst; auch die Ausstrahlungskraft der sinnl. Schönheit.

Und der zweite Eintrag

Erotik. bedeutet im Gegensatz zur Sexualität die Vergeistigung des Geschlechtstriebes. Sie kann auch treibende Kraft im schöpferischen Wirken, ein Teil der Triebkraft des Lebens überhaupt sein.

Die Zitate sollen als Angebote unkommentiert bleiben, wie es Hans Bach in seiner Publikation gemacht hat.

Eine der neusten Figuren trägt eine hutartige Kopfbedeckung, welche die Gedanken hin zu Pagoden oder auch zu der ägyptischen Knickpyramide von Dahschur assoziativ schweifen lässt. Die ägyptische Kultur scheint überhaupt aus weiter Ferne nachzuhallen, besonders wegen der Frontalität der Figuren. Die wiederkehrende Haartracht einzelner Figuren könnte mit Hans Bachs Frau Anita wie mit ägyptischen Plastiken weiblicher Gestalten, die viele Jahr vor Christus entstanden, in Verbindung gebracht werden. Hans Bachs Figuren präsentieren sich höchst gegenwärtig, dabei auf eine nicht wirklich in Worte fassbare Art in Dauer, zeitlos.

Im alten Ägypten war der wesentliche Zweck einer Statue, das Weiterleben der dargestellten Person für die Ewigkeit zu sichern. Hans Bachs Figuren gleichen Gefässen eines übergängigen, durchlässigen Weiterlebens. Im Alltag Erlebtes fliesst in die Holzbearbeitung ein, im Holz angelegte strukturelle Gegebenheiten artikulieren sich in der Formwerdung. «Holz ist das dritte Geschlecht.» Mit «hölzern» werden gedanklich auch transformierbare Zustandsqualitäten transportiert.

Totems sind oftmals aus Holz. Beseelung verbindet sich mit dem Werkstoff. Hans Bach holt die Betrachter und Betrachterinnen mit seinen individuell anmutenden Figuren ab und lenkt sie in eine geradezu archaisch wirksame Allgemeingültigkeit. Wie subtil ist doch die erotische Strahlkraft der alles andere als sexuell aufgeladenen Figur auf der Einladungskarte. Sie transportiert wie nebenbei auch die für Hans Bach zentralen Eigenschaften eines gesellschaftspolitisch wachen Zeitgenossen und seine Begabung für einen fein austarierten Humor. Das an die frühe griechische Kultur gemahnende Brustband ähnelt einem Zensurstreifen und schärft gerade dadurch den Blick. Vielleicht denkt der eine oder die andere an die Debatte um den Hashtag «MeToo». So selbstverständlich «nackt» steht die Figur da, nicht im Geringsten entblösst, uneinnehmbar ist ihr in die Transparenz geholtes Wesen. Sie darf nackt sein, weil sie nicht nackt ist.
Hans Bachs Figuren sind in den letzten Jahren bis zu einem gewissen Grad naturalistischer geworden und gleichzeitig abstrahierter in der Formgebung. Eine neue Spannung ist dadurch entstanden und Ambivalenzen haben sich dadurch auf eine andere Ebene verlagert. Auffällig ist auch, dass die Bemalung skizzenhafter geworden ist.

Hans Bach kommt von der Zeichnung und der Radierung her. Auch Holzschnitte entstanden. Am Anfang stand eine Ausbildung als Goldschmied. Guter Schmuck stellt Zeichen am Körper her. Die letzte Ausstellung im Atelier Alexander in Winterthur war Hans Bachs Schaffen gewidmet. Diese Ausstellung wurde von einer Publikation begleitet, auf deren letzter Seite eine stark in die Länge gezogene und schmal gehaltene Fotografie abgebildet war, darauf - an den «Leichnam Christi im Grabe» von Hans Holbein dem Jüngeren erinnernd - Hans Bach abgebildet: nackt, ohne Lendentuch, in der Natur, der Körper von einem Lichtschattenspiel geschmückt. Vielleicht kann man von einer leibhaften Beziehung sprechen, da das Lebendige in der Reglosigkeit von grösster, von wesenhafter Wichtigkeit ist. Auch Holbeins Christus wird mittels Tuchfalten mit einer Bewegungshandlung verknüpft. Diese Fotografie von Hans Bach ist ein Schlüssel zu seinen Figuren.
In den Holzschnitten scheinen die Figuren manchmal zu schweben. Oftmals sind die Blätter szenisch angelegt. Durch Spalten und Schlitze wird der Blick geführt oder es werden an Baumstämme erinnernde, senkrecht stehende, flächige Paneele hinterlegt, wodurch zuweilen der Eindruck entsteht, man blicke ins Innere von Holzgewächsen und ihren potenziellen Beziehungsstrukturen und Spannungsverhältnissen. Bildhauerei und Holzschnitt haben ihre eigenen Gesetzmässigkeiten, spannend ist es, Hans Bach dabei zu beobachten, wie er die beiden Medien miteinander konfrontiert und sie sich gegenseitig befruchten lässt. Mit jeder Kerbe, jeder Schraffur, jedem Einstich entsteht Lebendigkeit im Austausch, im Nehmen und Geben.

© Sabine Arlitt, Zürich, im März 2019

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